Dorfansicht mit St Hippolyt in Dettingen - KI-bearbeitet

Dettinger Stationen

Steinzeit, Alemannen, Poststationen, Schlachtfeld, Kirchenbau, Zusammenschluss mit Großwelzheim

Zitiert aus Spessartheft Juni 1978 Nr. 6, Beitrag von Helmut Winter

Teil 1:

geborgenen Schneidewerkzeugen und Pfeilspitzen
Bild wurde KI-modifiziert

Um 5000 vor Christus: Eine Reihe von geborgenen Schneidwerkzeugen, Pfeilspitzen und Steinbeilchen aus dem Neolithikum [Anm. auch Jungsteinzeit, ist eine entscheidende Epoche der Menschheitsgeschichte. Es markiert den erstmaligen Übergang des Menschen von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern und Viehzüchtern (die sogenannte neolithische Revolution). Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit] verweist auf die Tätigkeit des jungsteinzeitlichen Menschen in der näheren Umgebung Dettingens.
1200 bis 450 vor Christus: Grabbeigaben aus der Urnenfelderzeit [Anm. Die Urnenfelderkultur ist die am weitesten verbreitete mitteleuropäische Kultur der späten Bronzezeit. Sie bestand etwa von 1300 bis 800 v. Chr. Siehe auch: de.wikipedia.org/wiki/Urnenfelderkultur] und Hügelgräber im Lindigwald künden von einer frühen Besiedlung des Dettinger Raumes.
3. bis 4. Jahrhundert: Die Alemannen siedeln sich in dem Gebiet beiderseits des Untermains an. Die Endsilbe -ingen des Namens Dettingen deutet auf alemannische Gründung.
Um 800: Sage und Legende, aber auch die Geschichtsforschung berichten von einem karolingischen Gotteshaus [Anm. Herrschergeschlecht der westgermanischen Franken. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger].
975: Erste urkundliche Erwähnung, Kaiser Otto II. [Anm.*955 – 7.12.983 in Rom] übergibt auf Bitten seines Neffen Herzog Otto von Schwaben die ihm von diesem geschenkten Abgaben aus den Orten Kleinostheim (Ozenheim) und Dettingen (Tetingen) der Kirche des heiligen Petrus in Aschaffenburg.
980: Kaiser Otto II. übergibt die Besitzungen in Kleinostheim und Dettingen (Dettinga) der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg zum Unterhalt der Brüder.
Um 1000: Die im Aschaffenburger Stiftsevangeliar [Anm. Ein Evangeliar ist ein liturgisches Buch, das die vollständigen Texte der vier Evangelien des Neuen Testaments enthält. Der Zusatz „Stift“ bedeutet, dass dieses Buch einst von oder für ein geistliches Stift [z. B. ein Kloster oder Damenstift] in Auftrag gegeben und gestiftet wurde. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Evangeliar]eingetragene Grenzbeschreibung nennt die Flurbezeichnungen Karlstein (lat. ad lapidem Caroli) und Humelsee (Humelse).
1184: In der auf Bitten des Propstes Wortwin [Ein Propst bezeichnet einen hohen geistlichen Amtsträger in der christlichen Kirche] ausgestellten Papsturkunde, in der Papst Lucius III. [Ubaldo Allucingoli; * 1097 (?) in Lucca; † 25. November 1185 in Verona] war vom 1. September 1181 bis zu seinem Tode Papst) dem Stift für alle gegenwärtigen und zukünftigen Besitz Immunität und Schutz zusichert, wird auch eine Pfarrei Tatinowi (=Dettingen?) genannt.
1189: Erzbischof Konrad von Mainz [* 1120/1125 – 25. Oktober 1200] beurkundet die Rückgabe des Dettinger Zehnten [Der Zehnte bezeichnet eine Steuer in Form von Geld oder Naturalien an eine geistliche oder eine weltliche Institution. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Zehnt] durch Gerhard von Kälberau, den dieser vom Propst Marcolf und dessen Nachfolgern nach Lehensrecht empfangen, aber der Kirche durch ständige Vererbung fast entfremdet hatte, an Propst Wortwin von Aschaffenburg. [Das Lehnswesen, auch Feudal- oder Benefizialwesen, war eine im mittelalterlichen Europa herausgebildete Gesellschafts-, Wirtschafts-, Rechts- und/oder Besitzordnung. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Lehnswesen]
1248/49: Im Koppelfutterverzeichnis der Cent vorm Spessart ist auch Dettingen aufgeführt. [Als Koppelfutterverzeichnis (auch Copelfutir) bezeichnet man ein historisches Abgabenverzeichnis des Erzbistums Mainz aus dem 13. Jahrhundert. Es dokumentiert die Einnahmen aus Haferabgaben und für Weiderechte in verschiedenen mainzischen Gerichtsbezirken. Siehe auch: https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails?archivalDescriptionId=186421 und http://www.geschichte-untermain.de/Sahsen%20Winden%20Spessart%202011%2001.pdf] Das Mainzer Erzstift drängt die Rechte des Stifts Aschaffenburg zurück.
1300: Der Miles Johannes von Wasen resigniert seinen Zehnt in der Gemarkung der Villa Dettingen an den Aschaffenburger Propst G. von Selmesse, den er bisher als Vasall von ihm zu Lehen hatte, mit der Bitte, ihn dem Dekan und Kapitel von Aschaffenburg zu ewigem Besitz zu überlassen. [Ein Vasall (auch Lehnsmann oder Gefolgsmann) war im Mittelalter ein freier Mann, der sich in den Dienst eines mächtigeren Adligen (des Lehnsherrn. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Vasall] stellte
1320: Elisabeth von Hohinloch übergibt alle ihre in Dettingen und Umgebung gelegenen und unter dem Namen Henengut bekannten Güter und Rechte dem Stift St. Peter und Alexander [Die römisch-katholische Stiftskirche St. Peter und Alexander, die älteste Kirche Aschaffenburgs, wurde im 10. Jahrhundert unter Otto von Schwaben errichtet. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_und_Alexander_(Aschaffenburg)].

Teil 2:

1327: Rulemann von Lympurg, Schultheiß zu Frankenfurt, verkauft an Dechant Arnold und das Kapitel zu Aschaffenburg für 19 Pfd. und 5 ß Heller 11 »sumeryn« Korngült [korngulde: Teil der Kornernte als Zinsleistung für eine aufgenommene und durch ein anderweitiges Pfand abgesicherte Schuld. Siehe auch: https://www.ippsch.de/images/pdf/database/altdeutsch.pdf]

von 17 Morgen Acker in der Gemarkung von Dettingen, genannt das »Houegutd«. Erstmals taucht der Dettinger Familienname Durlecher auf. (Siehe auch: https://www.bavarikon.de/object/bav:AAB-URK-00000BAV80036549?cq=&p=1&lang=de)
1340: In seinem Testament vom 12. Dezember 1340 macht der Stiftsscholaster Heilmann Zuwendungen an mehrere Kirchen, darunter auch an die Kirche von Dettingen. Seinen Brüdern vermacht er die Wiesen und Schafe in Dettingen.
1365: Im Weistum von Großkrotzenburg wird eine Hube (= Sammelbegriff für in einer Hand vereinigten Grundbesitz) zu Dettingen genannt, die ein Henk in Wolffram besitzt.
1368: Else Dilemann von Bruchhausen verkauft an die Abtei Seligenstadt Besitzungen und Rechte, darunter auch Abgaben, die auf der Mühle von Dettingen lasten.
1382: Ein Hofkauf des Stifts Aschaffenburg in Dettingen wird erwähnt.
1394: Gerichtsweistum über die »Ossenheimer Mark«, die in zwei Gerichtssprengel geteilt ist: das »Ossenheimer Dettinger gericht« und das »Aschaffer gericht«. Das Gerichtsprotokoll weiß von Eingriffen der Aschaffenburger Bürger in den Stiftsgerechtsame zu berichten.
Um 1400: Das Kloster Seligenstadt erhält von seinen in Dettingen gelegenen Gütern Pacht für 42 Morgen Ackerland. Dettinger Namen: Durlecher und Kulman.
1401: Nach einem Pachtregister muß Dettingen 8 Malter 2 Sechter an das Stift abgeben. Das bedeutet, daß in Dettingen 8 Huben angesiedelt sind.

so könnte die Übergabe ausgesehen haben – Erstellung durch KI-Unterstützung

1403: Erzbischof Dieter von Mainz schlichtet einen Streit zwischen der Stadt Aschaffenburg und den »Dorfleuten« von Kleinostheim, Dettingen und Mainaschaff um die Errichtung einer Stallung im stiftischen »Strud« (Streitwald) und um das Eintreiben der Schweine in diesen Wald.
1430: Eine Aufstellung über Hafer- und Geldabgabe an das Stift nennt für Kleinostheim und Dettingen 32 Huben. Dettingen gibt 8 Malter 1 Sechter Hafer. An Geldzins zahlt Dettingen 19 Schilling 1 Heller.
1440: Die Abtei Seligenstadt erwirbt von einem gewissen Ferber Gefälle in der Gemarkung Dettingen (6 Sch. Heller).
1445: Chor, Langhaus und wahrscheinlich auch der Westturm der spätgotischen St.-Hippolyt-Kirche entstehen auf den Fundamenten eines vermutlich karolingischen Gotteshauses.
1448: Die Ulmer von Dieburg erhalten das Lehen der Vogtei zu Ossenheim, Dettingen und Aschaff. Auch die Groschlag von Dieburg haben einen Anteil an den Abgaben. Der Schwerpunkt ihrer Berechtigung liegt in Dettingen.
1494: Aus Dettinger Besitz erhält die Abtei Seligenstadt 4 Sch. 9 Pfg. und 1 Firling Öl.

Teil 3:

1508: Zwischen 1508 und 1514 wird unter Erzbischof Uriel von Gemmingen der Seitenschiffanbau an der Hippolytkirche fertiggestellt.
1551: Im Türkensteuerregister der Cent vorm Spessart wird Dettingen bei 28 Begüterten und einem steuerbaren Vermögen von etwa 5000 Gulden
mit 12 Gulden 11 Albus 3 Pf 1 Kreuzer Schatzung belegt.
1554: In einem Musterungsregister sind unter den Waffengattungen »Puchssen« (Büchsen) und »Langspies« 15 Dettinger aufgeführt, davon 5
Mann zum Ausziehen bestimmt.

Dokumentation der Waffengattungen in einem Musterregister. So könnte es ausgesehen haben. Erstellt mit Hilfe von ChatGPT

1556: Im Markgräflerkrieg verwüsten Soldaten das Haus auf dem Dettinger Kirchhof.
1574: Die Gerichtsordnung des stiftischen Hubgerichts für die Dörfer »Ossenheimer Mark« wird schriftlich fixiert und das Weistum von 1394
bestätigt.
1576: In einem Verzeichnis der Zent vorm Spessart werden die Rechte des Mainzer Kurfürsten Daniel und des Stiftsherren zu Aschaffenburg an
den Ortschaften Dettingen, Kleinostheim und Mainaschaff aufgeführt.
1578: Auf Klagen des Stifts Aschaffenburg gestattet Erzbischof Daniel von Mainz, daß die »Wehrschaft« (Bestätigung der Güterverkäufe gegen
Entrichtung einer Gebühr) für des Stifts Erb-und Pachtgüter in den Dörfern Kleinostheim, Mainaschaff und Dettingen vor ihrem Hubgericht erfolgen soll, und zwar am Walpurgis- und am St.-Michael-Tag.

Teil 4:

1584: In einer Urkunde vom 7. Dezember 1584 werden die dem Stift lehenspflichtigen sechs Dettinger Huben (Hofgüter) aufgeführt. Von den Dettinger Höfen hat sich einer „unter die fünf Höff verkrochen“, die übrigen hatten bis zu 8 Besitzer, darunter auch Ausmärker, in der Hand.
1592: In der vom Amtskeller Jordan von Steinheim gefertigten Karte vom Freigericht ist auch die Ortschaft Dettingen mit Hippolytkirche und Straßentor eingezeichnet.
1605: Streitigkeiten zwischen dem Grafen von Hanau und dem Mainzer Kurfürsten wegen des Geleitrechts von der Großwelzheimer Markungsgrenze bis zur steinernen Brücke am Ortsausgang von Dettingen.
1615: Kaiser Matthias belehnt Lamoral von Taxis mit dem Generalpostmeisteramt. Dettingen wird Poststation auf der Strecke zwischen den Niederlanden und dem kaiserlichen Hof in Prag.
1616: Vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges zählt Dettingen 24 Familien. Sie besitzen 1300 Morgen Wiesen, Äcker und Gärten.
1625: Die Ortschaften am Untermain und im Freigericht werden von der Pest heimgesucht.
1625: In einer Beschreibung der Jurisdiktionalverhältnisse werden die Abgaben der Dettinger Untertanen an den Mainzer Kurfürsten genannt: Bischofsfutter, Sommer-, Fastnachts- und Gewaldthuhn, Leibsbeedt und Besthaupt, Wildthämmel, Weinzins.

Karte Dettingen und Weltsheim – KI-bearbeitet


1633: Dettingen zählt zwölf Herdstätten, d. h. 12 Familien. Diese haben insgesamt ein Vermögen von 3884 fl und Schulden in Höhe von 3028 fl.
1635/47: Die schlimmsten Jahre des 30jährigen Krieges in unserer Heimatgebiet mit Plünderung, Brand, Raub und Mord, Hungersnot und Seuchen. 1635 herrscht die Hungerpest.
1636: Der wahrscheinlich aus Oberbessenbach oder Grünmorsbach stammende Hans Wießner übernimmt die Dettinger Poststation.
1645: Im Juni schwimmen bei Dettingen zwei Regimenter Franzosen und Schweden über den Main.
1648: Die dem Kloster Seligenstadt gehörige Dettinger Mühle ist im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden.
1650: In der Güterbeschreibung der Cent vorm Spessart sind für Dettingen 15 Familien aufgeführt, darunter der kaiserliche Posthalter Hanns Wießner und die Vorfahren der Familie Scherer.
1661: Trotz erheblicher Spannungen zwischen dem Frankfurter Postmeister Johann Wetzel und dem Dettinger Posthalter Hanss Wießner bleibt die Posthalterei in den Händen der Familie Wießner.
1665: Nach den Wirren des 30jährigen Krieges entstehen Streitigkeiten zwischen dem Stift und den Freiherrn von Bicken um den Dettinger Fruchtzehnt. Als Zeuge sagt der Dettinger Hanß Steinbacher, „er wüßte sonst niemanden Zehendtsherren alß die Stiftsherrn“.
1668: in einem Verzeichnis der Rechte des Erzbischofs von Mainz wird ein Wehrzoll erwähnt, der zu Frankfurter Meßzeiten in Dettingen von den Reisenden erhoben wird.


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