Dettinger Stationen

Steinzeit, Alemannen, Poststationen, Schlachtfeld, Kirchenbau, Zusammenschluss mit Großwelzheim

Zitiert aus Spessartheft Juni 1978 Nr. 6, Beitrag von Helmut Winter

Teil 1:

geborgenen Schneidewerkzeugen und Pfeilspitzen
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Um 5000 vor Christus: Eine Reihe von geborgenen Schneidwerkzeugen, Pfeilspitzen und Steinbeilchen aus dem Neolithikum verweist auf die Tätigkeit des jungsteinzeitlichen Menschen in der näheren Umgebung Dettingens.
1200 bis 450 vor Christus: Grabbeigaben aus der Urnenfelderzeit und Hügelgräber im Lindigwald künden von einer frühen Besiedlung des Dettinger Raumes.
3. bis 4. Jahrhundert: Die Alemannen siedeln sich in dem Gebiet beiderseits des Untermains an. Die Endsilbe -ingen des Namens Dettingen deutet auf alemannische Gründung.
Um 800: Sage und Legende, aber auch die Geschichtsforschung berichten von einem karolingischen Gotteshaus.
975: Erste urkundliche Erwähnung, Kaiser Otto II. übergibt auf Bitten seines Neffen Herzog Otto von Schwaben die ihm von diesem geschenkten Abgaben aus den Orten Kleinostheim (Ozenheim) und Dettingen (Tetingen) der Kirche des heiligen Petrus in Aschaffenburg.
980: Kaiser Otto II. übergibt die Besitzungen in Kleinostheim und Dettingen (Dettinga) der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg zum Unterhalt der Brüder.
Um 1000: Die im Aschaffenburger Stiftsevangeliar eingetragene Grenzbeschreibung nennt die Flurbezeichnungen Karlstein (lat. ad lapidem Caroli) und Humelsee (Humelse).
1184: In der auf Bitten des Propstes Wortwin ausgestellten Papsturkunde, in der Papst Lucius III. dem Stift für alle gegenwärtigen und zukünftigen Besitz Immunität und Schutz zusichert, wird auch eine Pfarrei Tatinowi (=Dettingen?) genannt.
1189: Erzbischof Konrad von Mainz beurkundet die Rückgabe des Dettinger Zehnten durch Gerhard von Kälberau, den dieser vom Propst Marcolf und dessen Nachfolgern nach Lehensrecht empfangen, aber der Kirche durch ständige Vererbung fast entfremdet hatte, an Propst Wortwin von Aschaffenburg.
1248/49: Im Koppelfutterverzeichnis der Cent vorm Spessart ist auch Dettingen aufgeführt. Das Mainzer Erzstift drängt die Rechte des Stifts Aschaffenburg zurück.
1300: Der Miles Johannes von Wasen resigniert seinen Zehnt in der Gemarkung der Villa Dettingen an den Aschaffenburger Propst G. von Selmesse, den er bisher als Vasall von ihm zu Lehen hatte, mit der Bitte, ihn dem Dekan und Kapitel von Aschaffenburg zu ewigem Besitz zu überlassen.
1320: Elisabeth von Hohinloch übergibt alle ihre in Dettingen und Umgebung gelegenen und unter dem Namen Henengut bekannten Güter und Rechte dem Stift St. Peter und Alexander.

Teil 2:

1327: Rulemann von Lympurg, Schultheiß zu Frankenfurt, verkauft an Dechant Arnold und das Kapitel zu Aschaffenburg für 19 Pfd. und 5 ß Heller 11 »sumeryn« Korngült von 17 Morgen Acker in der Gemarkung von Dettingen, genannt das »Houegutd«. Erstmals taucht der Dettinger Familienname Durlecher auf.
1340: In seinem Testament vom 12. Dezember 1340 macht der Stiftsscholaster Heilmann Zuwendungen an mehrere Kirchen, darunter auch an die Kirche von Dettingen. Seinen Brüdern vermacht er die Wiesen und Schafe in Dettingen.
1365: Im Weistum von Großkrotzenburg wird eine Hube (= Sammelbegriff für in einer Hand vereinigten Grundbesitz) zu Dettingen genannt, die ein Henk in Wolffram besitzt.
1368: Else Dilemann von Bruchhausen verkauft an die Abtei Seligenstadt Besitzungen und Rechte, darunter auch Abgaben, die auf der Mühle von Dettingen lasten.
1382: Ein Hofkauf des Stifts Aschaffenburg in Dettingen wird erwähnt.
1394: Gerichtsweistum über die »Ossenheimer Mark«, die in zwei Gerichtssprengel geteilt ist: das »Ossenheimer Dettinger gericht« und das »Aschaffer gericht«. Das Gerichtsprotokoll weiß von Eingriffen der Aschaffenburger Bürger in den Stiftsgerechtsame zu berichten.
Um 1400: Das Kloster Seligenstadt erhält von seinen in Dettingen gelegenen Gütern Pacht für 42 Morgen Ackerland. Dettinger Namen: Durlecher und Kulman.
1401: Nach einem Pachtregister muß Dettingen 8 Malter 2 Sechter an das Stift abgeben. Das bedeutet, daß in Dettingen 8 Huben angesiedelt sind.

so könnte die Übergabe ausgesehen haben – Erstellung durch KI-Unterstützung

1403: Erzbischof Dieter von Mainz schlichtet einen Streit zwischen der Stadt Aschaffenburg und den »Dorfleuten« von Kleinostheim, Dettingen und Mainaschaff um die Errichtung einer Stallung im stiftischen »Strud« (Streitwald) und um das Eintreiben der Schweine in diesen Wald.
1430: Eine Aufstellung über Hafer- und Geldabgabe an das Stift nennt für Kleinostheim und Dettingen 32 Huben. Dettingen gibt 8 Malter 1 Sechter Hafer. An Geldzins zahlt Dettingen 19 Schilling 1 Heller.
1440: Die Abtei Seligenstadt erwirbt von einem gewissen Ferber Gefälle in der Gemarkung Dettingen (6 Sch. Heller).
1445: Chor, Langhaus und wahrscheinlich auch der Westturm der spätgotischen St.-Hippolyt-Kirche entstehen auf den Fundamenten eines vermutlich karolingischen Gotteshauses.
1448: Die Ulmer von Dieburg erhalten das Lehen der Vogtei zu Ossenheim, Dettingen und Aschaff. Auch die Groschlag von Dieburg haben einen Anteil an den Abgaben. Der Schwerpunkt ihrer Berechtigung liegt in Dettingen.
1494: Aus Dettinger Besitz erhält die Abtei Seligenstadt 4 Sch. 9 Pfg. und 1 Firling Öl.