Baustelle in Kleinostheim

Torf – der Brand der armen Leute

Torf war in unserer Region das Heizmaterial der armen Leute – weil es beim Verbrennen charakteristisch riecht1. Dies ist bei Holz nicht der Fall.

Torf eines Moors aus einer Baustelle für eine Wasserleitung bei Kleinostheim, entnommen am 23.09.2026.

Die einstige Flussdynamik des Mains sorgte für Altarme, also abgeschnittene Schlingen. Diese werden mit zunehmender Verlandung immer seltener überspült, so dass nur noch ein toniges Sediment als Trübe eingetragen wird, die als Ton abgelagert wird. Mit der Verlandung wird die Schlenke von Pflanzen besiedelt und es kommt zur Bildung eines Niedermoors; praktisch so wie das im Langen See heute aussieht. Dabei wird ein Teil der Pflanzenmasse nicht verrottet, sondern unter Wasser sedimentiert und damit vor der Verrottung bewahrt. Dieses Gestein nennt man Torf. Dieser Torf wurde an vielen Stellen gestochen, getrocknet und dann als Heizmaterial verwandt; bei uns als „Torf“- oder „Braunkäs“ bezeichnet (LORENZ 2010:710f). In alten Landkarten sind solche Stellen noch eingetragen, so zum Beispiel 1846 zwischen Hörstein und Dettingen, dort wo heute die Autobahnauffahrt der A45 eingerichtet ist. Die Mehrzahl aller Torfvorkommen in der Region sind nahezu vollständig abgebaut. Gesammelt hat auch niemand auch nur 1 einziges Stück Torf, so dass wir bei der Einrichtung des Museums in Karlstein einen Torf aus der Umgebung von Kitzingen verwenden mussten. Jetzt können wir nach dem Trocknen auch lokalen Torf nachlegen.

Nun sind Baustellen immer der Ort für neue Erkenntnisse. So auch in Kleinostheim nahe der Waldstadt, wo man am 23.09.2026 einen Graben für eine Wasserleitung anlegte (siehe Foto ganz oben). Hier wurde unter etwa 20 cm Boden der etwa 50 cm mächtige schwarze Torf angetroffen. Darunter fand sich ein hellgrauer, „fetter“ Ton (Tonstein) mit Glimmerschüppchen. Die Mächtigkeit ist mangels Aufschlüsse nicht bekannt.

Krusten und Nädelchen des violetten Eisenphosphats Vivianit. Gefunden im Tonstein einer Baugrube in Sailauf an der Aschaffenburger Str. 34; entommen am 01.10.2020.
Bildbreite 3 mm.

Nun gibt es selten auch Mineralien im Torf und den damit vergesellschafteten Gesteinen. Besonders auffallend ist das Eisen, welches sich mit dem Phosphat zu Vivianit verbindet. Dieses Mineral ist in der Erde bei der Kristallisation zunächst farblos, wird aber durch die Oxidation des Eisens im Kristallgitter an der Luft blau (früher deshalb auch „Eisenblau“ genannt). Vivianit ist in älteren Torfen und Braunkohlen weit verbreitet.

Literatur:

LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- IV + 912 S., 2.532 meist farbigen Abb., 134 Tab. und 38 Karten (davon 1 auf einer ausklappbaren Doppelseite), [Helga Lorenz Verlag] Karlstein. 
SUCCOW, M. & JOOSTEN, H. [Hrsg.] (2001): Landschaftsökologische Moorkunde.- 2. völlig neu bearbeitete Auflage, 622 S., 104 Farbabb., 223 Abb., 136 Tab., 2 Beilagen in Tasche, [Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.

  1. Das konnte ich während einer Reise nach Irland im Jahr 1988 noch in vielen Orten riechen. An den Tankstellen konnte man damals abgepackte Briketts aus Torf kaufen, so wie bei uns aus Braunkohle. ↩︎

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