Lava vom Vogelsberg in Karlstein?
Die zahlreichen Besucher des Museums in Karlstein konnten am Sonntag, den 06.09.2026, einen Vortrag zum Opal und Siderit sehen, bei dem von Joachim Lorenz erklärt wurde, warum es in Steinheim diese Mineralien in beachtlicher Menge gibt. Und wieso diese Mineralien entstehen konnten. Es war die thematische Vorbereitung für die Exkursion des Geschichtsvereins nach Steinheim am Main am 19.09.2026.

Dazu passend wurden in der geologischen Abteilung 2 Vitrinen mit Gesteins- und Mineralproben zu dem Thema gefüllt, so dass man auch die originalen Stufen der Opale und Sphaerosiderite anschauen kann. Viele der historischen Belegstücke des 19. Jahrhunderts stammen aus Steinbrüchen im Raum Hanau, die heute geschlossen oder überbaut sind. Diese werden bis Mai 2027 hier zu sehen sein.

Die ersten, die bedeutende Massen des Basalts verwandten, waren die Römer, die in Großkrotzenburg das Kastel aufbauten. Sie holten die Steine aus einem Vorkommen mainabwärts; die nächsten Gesteinsvorkommen befinden sich in Steinheim und Großauheim, wobei die Felsen unter Steinheim einen leichten Abbau und die Nähe zum Main einen leichten Transport ermöglichten.
Im späten 19. Jahrhundert entdeckte man zwischen Kahl und Alzenau ein kleines und isoliertes Basaltvorkommen und man legte 2 Steinbrüche an, von denen einer als See neben der Straße noch zu sehen ist.
Als man 1914 die Mainschleuse bei Großwelzheim erbaute, erreichten die Baugruben für die Schleusenkammer auch wieder zersetzte basaltische Gesteine (leider sind keine Gesteinsproben mehr vorhanden).

Die einfachste Möglichkeit, dieses unscheinbare Gestein zu sehen, ist der Mainplatz in Dettingen. Das Straßenpflaster besteht zum größten Teil aus dem Basalt, möglicherweise aus dem Vorkommen zwischen Kahl und Alzenau. Die glatten, schwarzen Pflastersteine stammen dagegen aus dem Vogelsberg, Hunsrück, Westerwald, Eifel oder sonst wo.
Da man in den Steinbrüchen keinen Förderschlot für die Lava bzw. den daraus erstarrten Basalt fand, bleibt als Herkunft nur der Vogelsberg. Vor 16 Millionen Jahren schoss eine unvorstellbare Masse an Lava die 40 bis 50 km von dort bis nach Karlstein und erstarrte als Basalt. Das feuchtwarme Klima im Miozän führte zur Bildung von Opal und Siderit aus dem zersetzten Basalt. Die Erosion zerteilte die Basaltdecke und so sind heute nur noch Reste vorhanden. In diesen wurden Steinbrüche angelegt und daraus Pflastersteine, Werksteine und Schotter hergestellt. Die sehr beständigen Steine sind überall in der Region zu sehen. Probleme hat man heute, weil für die Restaurierung von Bauwerken man keine Steine mehr beschaffen kann.

Opalstücke aus Dietesheim, gefunden am 11.05.1980. Die Scherben sind wohl eine Folge der oberflächennahen Lagerung und des Permafrostes der letzten Kaltzeit, also keine menschliche Bearbeitung. Die Fundstelle – eine mit Lehm gefüllte Kluft – beinhaltete die rissigen Stücke noch im Verband.
Bildbreite ca. 20 cm.
Es ist echter Opal – aber es fehlen die Farben und der Schiller der australischen Opale (ein bläulicher „Boulderopal“ liegt zum Vergleich in der Vitrine). Das liegt daran, dass der submikroskopische Aufbau völlig anders ist. In der Masse wurden auch Eisenhydroxide ausgeschieden, so dass die Opaleszenz verhindert wird. Die weißen Rinden sind eine Entfärbung – d. h. die Eisenverbindungen wurden weggelöst.
Unsere Vorfahren verwandten solche Opale als Ersatz für Feuerstein und stellten daraus Messer und Schaber her.

