Steinbruch an der Schutzhütte
Im Dettinger Gemeindewald wurde in den 1960er Jahren ein kleiner Steinbruch zur Gewinnung von Schotter als Wegebaumaterial für das Anlegen der Forstwege angelegt. Später baute die Freiwillige Feuerwehr Dettingen (am Main) und der Wanderverein Dettingen (damals Spessartbund) daneben eine Schutzhütte, die in Folge oft für Feste benutzt wurde.

In dem stillgelegten Steinbruch hat die Vegetation den größten Teil der Flächen überwachsen, sodass man nur an wenigen Stellen noch Felsen sehen kann. Dabei handelt es sich um die verwitterten Gneise des Rotgneis-Komplexes;
aufgenommen am 16.08.2019
Bei dem Gestein („Goldbacher Gneis“) handelt es sich um einen Muskovit-Biotit-Gneis des Rotgneis-Komplexes. Dieses Gestein kristallisierte vor ungefähr 410 Millionen Jahren als Granit aus. Im Zuge der variskischen Gebirgsbildung wurde der Granit einer Metamorphose1 unterzogen, also mit Hitze und Druck beaufschlagt. Dabei wurden die Mineralien eingeregelt, es entstand ein Gneis, also ein Gestein mit einer deutlichen Schieferung, so dass man den Fels in Schieferungsrichtung gut spalten kann.

Mauerstein mit einer frischen Bruchfläche aus dem „Goldbacher Gneis“ in einer Trockenmauer eines Weinbergs in Mainaschaff;
aufgenommen am 11.09.2006.
Die Bewegungen in der Erdkruste über Jahrmillionen führten in dem spröden Gneis zu Rissen, die sich zu einem sehr engmaschigen Kluftnetz ausweiten. Infolge dessen lassen sich kaum größere Felsblöcke und Steine gewinnen, was einer kleinstückigen Schottergewinnung sehr entgegen kommt.
Dazu hilft, dass der Untergrund in der Umgebung von Karlstein in der Vergangenheit in einem fast tropischen Klima (bis ins Pliozän vor ungefähr 2,6 Millionen Jahren) tiefgründig verwitterte, sodass der Kornverbund im Gestein verloren ging (Vergrusung). Solche als Saprolithe genannten Massen werden im Spessart sehr treffend als „Fauler Fels“ betitelt. Deshalb trifft man in dem hier beschriebenen Steinbruch keine frischen Gneise an. Dies hatte zur Folge, dass die Gesteinsgewinnung ohne Sprengung auskommen konnte und diese Vergrusung erzeugt bei Belastung ein sandiges Zerbröseln, was bei der Verwendung im Straßen- und Wegebau ebenfalls hilfreich ist.
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Fotos eines Goldbacher Gneises unter dem Mikroskop bei einer Bildbreite von 5 mm, links mit linear polarisiertem Licht und rechts mit gekreuzten Polarisatoren, sodass die Interferenzfarben der Minerale sichtbar werden.
Die im nahezu porenlosen Gneis intensiv verzahnten Mineralkörner können bereits im Handstück mit einer Lupe angesprochen werden: grauer Quarz, rötlicher Kalifeldspat, weißer Plagioklas, schwarzer Biotit, silbrig glänzender Muskovit und selten metallisch glänzende Eisenoxide.
- Details zur Metamorphose siehe
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart. ↩︎



