Gasthaus und Brauerei „Zum weißen Roß“ bzw. „Zur Krone“ in Dettingen (ab 1579)
von Harald Weis (Hörstein)
Im Jahre 1579 erweiterte Ciliox Helffrich sein bestehendes Anwesen1 an der Landstraße in Dettingen (heute Mainplatz Nr. 4), das er durch die Heirat mit Katharina, der Witwe des Hans Heidelberger, als „Morgengabe“ erhalten hat.

Die Krone über dem Stein von 1579, der bei Umbauarbeiten entdeckt und in der Außenwand des Gasthauses eingemauert wurde.
Im Jahre 1594 heiratete Hans Welzbacher, „der Jung“ genannt, Sohn des vermögenden Kleinostheimer Schmieds, die Tochter des Ciliox Helfferich. Der angesehene und begüterte Hans Welzbacher, der schon 1605 den Weinzehnt zahlt, wird erstmals 1616 als „Würth“ (Wirt) zu Dettingen bezeichnet. 1615 wird Dettingen Poststation auf der Route Frankfurt – Nürnberg und damit Halt– und Pferdewechselort zwischen den Nachbarstationen Hanau und Bessenbach. Der Wirt „Zum weißen Roß“ Hans Welzbacher wird nun auch Thurn und Taxischer Posthalter zu Dettingen.
Als Welzbacher 1633, 15 Jahre nach Beginn des 30jährigen Kriegs verstarb, heiratete seine 2. Ehefrau, Anna „bürtig zu Bessenbach“, wahrscheinlich den Sohn des Bessenbacher Posthalters, Thebes Centgraf (Thebes = Matthäus), der 1639 als Witwer Agathe Dippold heiratete. 5 Wochen nach der Vermählung starb Centgraf bei der Flucht durch Kriegswirren in Seligenstadt. Er wurde von einem ehemaligen Soldaten mit dem Degen entleibt.
Im Jahre 1641 heiratete die Witwe Agathe Centgraf, Johann Wießner aus Bessenbach, der Nachfolger als Posthalter und Wirt „Zum weißen Roß“ wird. 1657 erbaut Hans Wießner, nebenan ein neues Post- und Gasthaus „Zum Engel“. Das „Weiße Roß“ geht in den Besitz von Jakob Schmidt, Postmann in Frankfurt, der mit Clementine, Tochter des Hans Wießner verheiratet ist. Das Gasthaus wird an Hans Steinbacher (†1670) verpachtet, der 1669 als Wirt erwähnt wird. Nach dem Tod Steinbachers übernimmt Jakob Schmidt; 1688 zahlt er Ohmgeld an die Kellerei Bachgau. Als J. Schmidt 1692 verstarb, übernahm Schwiegersohn Thomas Hornik, Postmeister in Frankfurt, und tauschte das Anwesen mit dem von Klementine Farber, geb. Wießner (*1652), Tochter des Hans und Agathe Wießner, verheiratet mit Jakob Farber. (Klementine Faber war die Schwester seiner Schwiegermutter Clementine Schmidt.) Jakob Farber starb bereits 1692 und drei Jahre später heiratete Klementine den Witwer Nikolaus Stegmann aus Keilberg, der im Jahre 1710 als Bierbrauer und Wirt „Zum weißen Roß“ erwähnt wird. Wir können davon ausgehen, das Nikolaus Stegmann um 1695/96 die Brauerei im „Weißen Roß“ eingerichtet hat. 1709 heiratet Stegmann’s Stiefsohn Anton Farber (1685-1723), Sohn von Jakob und Klementine Farber, Anna Margaretha Kern (*1692 in Hörstein), und übernimmt nach Stegmanns Tod Brauerei und Gasthaus. Aus dieser Ehe mit Anna Margaretha geht ein Sohn und eine Tochter hervor. Im Jahre 1724 heiratet die Witwe Anna Margaretha Farber den Aschaffenburger Bürger und Witwer Johann Adam Hepp, der in einem Schildgerechtigkeitsverzeichnis von 1735 als Bierbrauer und Gastwirt „Zum weißen Roß“ genannt wird.
Nächster Besitzer wird Hepp’s Stiefsohn Georg Franz Farber (1717-1742), der 1737 Magdalena Brückner (1708-1783) aus Hörstein heiratet. In einem erneuten Schildgerechtigkeitsverzeichnis von 1744 wird auch er als Gastwirt und Bierbrauer „Zum weißen Roß“ genannt, obwohl er zu dieser Zeit bereits zwei Jahre verstorben war und seine Witwe 1743 Joseph Lang (ca. 1707-1779) aus Gerhardsbrunn in Lothringen geehelicht hatte. Er führte Brauerei und Gasthaus weiter (1746), bevor es an Matthias Reiß übergeht. Das Schildrecht lautet aber noch immer (1751) auf Georg Farber.
Reiß, 1713 in Seligenstadt geboren, war seit 1737 mit Klementine Farber (1718-1751), Tochter des verstobenen Anton Farber, verheiratet. Zunächst wohnte er im Haus von Posthalter Dürr (heute Hanauer Landstraße 110 und 112), der um diese Zeit in sein neu erbautes Postanwesen am Mainplatz (heute Mainplatz 5) übergesiedelt war. Reiß erwarb dieses Anwesen von Dürr und übernahm nach dem Tod seines Schwagers Anton Farber dessen Gasthaus (Mainplatz 4), das er ebenfalls käuflich erwarb.
Diese beiden Anwesen erbte sein Sohn Adam (*1745), der das Gasthaus im Jahre 1769 um 1700 fl (Gulden) verkauft. Käufer war sein Schwager Nikolaus Sitzmann, der seine jüngste Schwester Klementine (1748-1772) geehelicht hatte und der Brauerei sowie Gasthaus zunächst unter dem Namen „Zu den drei Königen“ weiterführte, bevor er 1786 den Namen in „Zu den drei Kronen“ abänderte.
Nach dem Tod seiner Frau heiratet Sitzmann 1773 Martha Scherf, Tochter des Posthalters und Gastwirts „Zum weißen Roß“ Wendelin Scherf aus Straßbessenbach. Aus dieser Ehe ging Sohn Christoph hervor, der am 04.12.1773 geboren wurde und der 1798 Margaretha Kirchner aus Heimbach bei Mömbris ehelichte.
Von seinem Vater übernahm er 1803 das Gasthaus mit Brauerei und wird auch dessen Nachfolger als Geleits- und Landzöllner. Nach dem Raubüberfall auf das Gasthaus in der Nacht vom 04. auf den 05.02.1807 kommt es zu Schwierigkeiten mit der Dettinger Bevölkerung (Beschuldigung wegen unterlassener Hilfeleistung u.a.), was ihn schließlich bewog, das Gasthaus mit Brauerei an seinen Schwager Nikolaus Sittinger aus Mainaschaff zu verkaufen. Dieser ersucht um Schildgerechtigkeit für sein Haus, das er unter dem Namen „Zur Krone“ weiterführte (1812).

Juliane (Jule) Roßmann (geb. Wienand) und Enkelin Petra Schmidt (geb. Roßmann) um 1964/65 mit Bierfässern aus Holz im Hof der Krone.
Am 17.09.1836 übernimmt Christoph Sittinger (1802-1879), Sohn von Nikolaus und Elisabeth Sittinger, für 4.000 Gulden die Gastwirtschaft mit Brauerei und Brennerei. Sohn Nikolaus Sittinger (*1800) legte die Brauerprüfung 1830 in Würzburg ab und übernahm 1833 das Gasthaus mit Brauerei „Zur Krone“ in Alzenau (Brauerei Hock).
Nach dem Grundsteuerkataster von 1846 besitzt Christoph Sittinger „Wohnhaus, Keller, Stall, besondere Stallungen, Scheuer mit Keller und Stall, Brauerei mit Holzbehälter und Keller, Hofraum, einen Pflanz-, Hopfen- und Grasgarten an den Brückengärten“ und 35,250 Tagwerk an Äckern und Wiesen. Die Gemeinderechnungen von 1871 – 1880 weisen den „Krone-Wirt“ als besten Steuerzahler Dettingens aus.
Als 1882 Christoph Sittinger kinderlos stirbt, verpachtet seine Witwe Dorothea die Brauerei und Wirtschaft. 1888 verkauft Sie das Anwesen an Adam Steinbacher aus Johannesberg.
Am 3.September 1889, bei einem Großbrand werden Brauerei, Gasthaus und die landwirtschaftlichen Gebäude zerstört. A. Steinbacher wird der Brandstiftung überführt und kommt einige Jahre ins Zuchthaus.

Stammtisch 1980 vor dem Eingang zum Gasthaus Krone:
obere Reihe von links: Fritz Heng, Heinrich Heuser, Edmund Bahlke, Karl Bessler.
Unten von links: Maria Heßberger, Karl Leibacher, Albin Fengler, August Herzog, Albert Eibeck und Karl Ratzka.
Der Brauereibesitzer Valentin Schwind aus Aschaffenburg (Brauerei Erbsen Schwind) erwirbt 1890 das Anwesen und stellt den Antrag auf Wiederaufbau der Gebäude.
Am 10.3.1891 erwirbt Matthäus Roßmann, Landwirt und Sohn des Wirts „Zum Weißen Roß“ aus Albstadt, verheiratet mit der Tochter des Dettinger Bäckers und Bürgermeisters, Margaretha Kaiser, das Anwesen im Rohbau, und stellt den Antrag auf Weiterführung der ehemaligen Sittinger‘schen Gastwirtschaft. (Matthäus Roßmann`s Tante Anna Eva Roßmann war seit 1860 mit Christoph Sittinger Bierbrauer und Gastwirt Zur Krone in Alzenau, Sohn des Nikolaus Sittinger, verheiratet.) Diesem Gesuch wird stattgegeben nebst dem Recht, die Brennerei weiterzuführen.
Seit dieser Zeit ruht der Braubetrieb in Dettingen, das Bier wurde, bis 1921, von der Valentin Schwind Brauerei (Erbsen Schwind) aus Aschaffenburg bezogen. Als auch diese Brauerei schloss, lieferte die Bayrische Aktien Brauerei Aschaffenburg (BABA) bzw. ab 1974/75 die Nachfolgegesellschaft Binding Brauerei Frankfurt/M und Bayer Bräu Rothenfels, den Gerstensaft. Ab ca. 2009 wurde statt Binding, das gute Schlappeseppel Bier aus der gleichnamigen Brauerei, das bei EDER Bräu in Großostheim gebraut wird, ausgeschenkt.
Die Wirtsleute Matthäus und Margarethe Roßmann hatten 5 Kinder. Tochter Anna (geb. 1900) heiratete den Brauereibesitzer Albrecht Bayer in Rothenfels (Bayer Bräu), Sohn Karl bekam das Gasthaus mit Saalbau und Metzgerei „Zur Post“ in Dettingen.
Sohn Hugo übernimmt im Jahre 1933 mit seiner Ehefrau Juliane die Land- und Gastwirtschaft „Zur Krone“, im Alter zusammen mit Sohn Alfred, der nach einem tragischen Unglücksfall 1976 stirbt.
Seit 1976, die Landwirtschaft wurde aufgegeben, kümmerte sich Brigitte Roßmann mit Ihrem Schwiegervater Hugo um die Gastwirtschaft.

Zur Krone im Jahr 1991:
Petra Schmidt (geb. Roßmann), Martin Schmidt, Brigitte Roßmann (geb. Seidl), Helga Raubal (geb. Brenneis), Berthold Eckrich, Vera Frost, Hella Geppert (geb. Aulbach), Harald Weis und Anneliese Heuser.
Nach dem Tod von Hugo 1987 modernisierte Brigitte mit Ihrem Lebensgefährten Berthold Eckrich, das gesamte Haus. 1990 wird die ehemalige Scheune zu einem Hotel umgebaut, 1991 erstrahlt das Anwesen zum 100jährigen Familienjubiläum im neuen Glanz. Im Jahre 2002 legte Brigitte die Geschicke des Hauses in die Hände Ihrer Tochter Petra Schmidt geb. Roßmann, die mit Ihrem Mann Martin die Gastwirtschaft mit Hotel weiterführten.
Nach einer plötzlichen Erkrankung von Martin Schmidt 2022, nach der er 2023 verstarb, sowie Personalmangel und steigende Kosten, wurde das Gasthaus nach 443 Jahren am 31. Dezember 2022 geschlossen. Seniorchefin Brigitte Roßmann (81) ging in den wohlverdienten Unruhestand, Tochter Petra Schmidt führt noch das Hotel Garni weiter.
Quellen:
Stadt und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Nr. 6196.
Türkensteuerregister aus dem Jahre 1551. Sta Wbg. MRA, ältere Kriegsakten, Sig. 1/55. Güterbeschreibung des Centen vorm Speßhard 1650/51. Sta Wbg. Mainzer Güterbeschreibung 37, f. 49-57.
Stadt und Stiftsarchiv Aschaffenburg Nr. C 3586 von 1651.
Dettinger Kirchenrechnug Nr. 43031 von 1665 bis 1666.
Aufzeichnungen von Josefina und Heinz Herzog.
100 Jahre GV Einigkeit Dettingen „Die Vereinslokale“ Helmut Reisert.
Pfarrmatrikel der Pfarrei Kleinostheim Filiale Dettingen.
Pfarrmatrikel der Pfarrei Hörstein und seiner Filiale Kahl.

Am Mittwoch, den 15.07.2026 bot sich die Möglichkeit, die kühlen Keller der ehemaligen Brauerei der Gaststätte Krone in Dettingen zu besichtigen. Unter der Führung von Harald Weis und den Ergänzungen von Joachim Lorenz versammelten sich 17 Mitglieder des Geschichtsvereins im Keller:
von links Michael Hansmann, Berthilde Stein, Felix Pichl, Harald Weis, Volker Oster, Franz Biller, Norbert Vock, Michael Pfeiffer, Barbara Allame, Gerhard Faller, Jonas Beck, Herbert Jung, Roland Merget, Siegfried Beck, Gerd Stein, Sabrina Hansmann – Foto Joachim Lorenz.
Details zu den Kellern wurden bereits in einem früheren Bericht beschrieben.
Für das Jahr 2027 planen wir, dass auch andere Interessenten den Keller besichtigen können – beispielsweise im Rahmen einer noch zu planenden Veranstaltung zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 12.09.2027.
- Ein Neubau kann ausgeschlossen werden, da sich unter dem Gebäude ein Keller nach mittelalterlicher Bauart befindet. ↩︎

