283. Jahrestag der Schlacht bei Dettingen
Anlässlich des 283. Jahrestags der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni 2026 hat unser Mitglied Dr. Robert Fecher und Leiter der „Archäologischen Taskforce Dettingen 1743“ einen neuen historischen Aufsatz zu diesem Thema veröffentlicht. Er stellt ihn großzügigerweise kostenlos zum Download zur Verfügung. Er verbindet damit die Hoffnung, dass der kulturhistorische Wert des historischen Schlachtfelds von
Dettingen endlich weiteren Teilen der lokalen und regionalen Bevölkerung
sowie insbesondere den politischen Funktionsträgern bewusst wird. Die
historische Stätte ist schon zu etwa zwei Dritteln zerstört: versuchen wir wenigstens gemeinsam, den letzten Rest für die Zukunft zu bewahren.
Der Inhalt befasst sich mit den Opfern der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni 1743, von denen etwa 1.450 bis 1.650 auf dem Schlachtfeld starben. Während die meisten im Kampf gefallenen Soldaten direkt vor Ort beigesetzt wurden, wurde bestimmten, sorgfältig ausgewählten Soldaten und Offizieren eine Bestattung auf gewöhnlichen Friedhöfen, wie
beispielsweise dem in Mainflingen, gewährt. Die Kirchenbücher der St.-Kilian-Gemeinde in Mainflingen, die heute im Diözesanarchiv in Mainz aufbewahrt werden, stellen eine wichtige historische Quelle zu diesen Bestattungen dar. Neben zwei Franzosen, deren Namen unbekannt sind, werden in diesem Register ausdrücklich fünf französische Soldaten erwähnt, die dort in den Tagen nach der Schlacht beigesetzt wurden. Eines der berühmtesten Opfer war der Marquis de Fleury, ein gerade einmal 19-jähriger Kavallerieoberst, dessen tragische Entdeckung auf dem Schlachtfeld in einem bisher unveröffentlichten Brief eines Zeitzeugen ergreifend beschrieben wird. Die Einträge dokumentieren zudem die Beerdigungen von Leutnant Joseph de Mercy, dem Dragoner Henri Parcé und Hauptmann Jean Gédéon de La Ramière de Pucharnaud.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Studie dem fünften im Kampf gefallenen
Soldaten, dessen Name bekannt ist: Kavallerie-Leutnant Paul Robert de Vadelaincourt vom Königlichen Kavallerieregiment. Dank eines glücklichen Archivfunds konnten mehrere bisher unbekannte Dokumente ausgewertet werden, wodurch es möglich wurde, seine militärische Laufbahn und seinen familiären Hintergrund innerhalb des lothringischen Amtsadels detailliert zu rekonstruieren. Aus diesen beigefügten notariellen und militärischen Dokumenten geht hervor, dass er im Kampf bei einem
direkten Zusammenstoß mit englischen Kavalleristen durch einen Pistolenschuss ums Leben kam. Sein damaliger Vorgesetzter, der Marquis d’Ecquevilly, lobte in erhaltenen Briefen nicht nur Vadelaincourts persönliche Tapferkeit, sondern hob auch den ehrenvollen Militärdienst seiner Brüder und Schwestern sowie seiner Neffen hervor. Allgemeinerbetrachtet hob der französische Oberbefehlshaber, Marschall de Noailles,
gegenüber dem Monarchen sogar die außergewöhnliche Leistung dieses Kavallerieregiments während dieser Schlacht hervor, die Frankreich letztendlich verlor. Neben diesen spezifischen historischen, militärischen und genealogischen Rekonstruktionen zu den Opfern rundet die Erwähnung zweier Taufen von Soldatenkindern in den Kirchenbüchern von Mainflingen das facettenreiche Bild der Kriegsereignisse jener Zeit ab.
English Abstract:
This text deals with the casualties of the Battle of Dettingen on 27th June 1743, of whom approximately 1,450 to 1,650 died on the battlefield. Whilst most of the soldiers killed in action were buried directly on the spot, certain carefully selected soldiers and officers were granted burial in ordinary cemeteries, such as that at Mainflingen. The parish registers of St Kilian’s parish in Mainflingen, now held at the Diocesan Archives in Mainz, constitute a major historical source concerning these burials. In addition to two Frenchmen whose names are unknown, this register explicitly mentions five French soldiers who were buried there in the days following the battle. One of the most illustrious victims was the Marquis de Fleury, a cavalry colonel aged just 19, whose tragic discovery on the battlefield is poignantly described in a previously unpublished letter written by a contemporary witness. The entries also document the funerals of Lieutenant Joseph de Mercy, the dragoon Henri Parcé, and Captain Jean Gédéon de La Ramière de Pucharnaud. The study pays particular attention to the fifth soldier killed in action whose name is known: Cavalry Lieutenant Paul Robert de Vadelaincourt, of the Royal Cavalry Regiment. Thanks to a fortunate archival discovery, several previously unknown documents have been analysed, making it possible to reconstruct in detail his military career and his family background within the Lorraine functional nobility. It emerges from these attached notarial and military documents that he fell in battle during a direct clash with English cavalrymen, killed by a pistol shot. His superior at the time, the Marquis d’Ecquevilly, praised not only Vadelaincourt’s personal bravery in preserved letters, but also highlighted the honourable military service of his brothers and sisters, as well as his nephews. More generally, the French commander-in-chief, Marshal de Noailles, even highlighted to the monarch the exceptional performance of this cavalry regiment during that battle, which France ultimately lost. In addition to these specific historical, military and genealogical reconstructions concerning the victims, the mention of two baptisms of soldiers’ children in the parish registers of Mainflingen rounds off the multifaceted picture of the wartime events of that period.
Verfasst am 26.06.2026 von Dr. Robert Fecher (Kleinostheim)
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