Bier- und Eiskeller

Eis- und Bierkeller in Dettingen a. Main

Zum Brauen und Lagern von Bier brauchte man Kälte. Bier ist ein beliebtes, nahrhaftes und aus hygienischer Sicht sicheres Getränk.
Kälte gab es vor der Mitte des 19. Jahrhunderts im Boden bzw. in den Felsen und transportabel ausschließlich in der Form von natürlichem Eis. Es wurde im Winter von Flüssen und Seen geholt und in so genannten Eiskellern eingelagert. Gut gebaute und große Eiskeller konnten so das ganze Jahr über Eis enthalten.
So hatte jede Brauerei mindestens einen Eis- und einen Lagerkeller. Das Eis wurde aber auch an andere Berufsgruppen, wie Metzger, Apotheker, Konditoren, usw. verkauft; es war auch Handelsware. Lagerkeller in Felsen wurden als „Felsenkeller“ vermarktet und boten sogar einen Ausschank.
Gab es keinen winterlichen Frost, der zur Eisbildung auf den Gewässern reichte, wurde Eis in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch von den Gletschern Norwegens bezogen, welches mit der Eisenbahn in ganz Deutschland vertrieben werden konnte.
Erst mit der Kältemaschine nach Carl von LINDE konnte man unabhängig ganzjährig Eis und damit Kälte erzeugen. Damit verloren die Eiskeller an Bedeutung. Ältere Menschen kennen das noch, als man für das Kühlen der Getränke bei Festveranstaltungen bis in die 1980er Jahre auch Stangeneis bei den Brauereien kaufte.

Das Gasthaus „Zur Krone“ an der Ecke Mainplatz und Hanauer Landstraße in Karlstein-Dettingen ist seit 1579 belegt, wie ein Stein an der Ecke unter der Krone in der Fassade zeigt. Seit 1695 oder 1696 besteht hier eine Brauerei „Zum weißen Roß“, die gleichzeitig auch als Poststation fungierte (nach Harald WEIS, Hörstein und Karlsteiner Geschichtsblätter 15, Seite 44-45).

Solche Bier-Keller sind gewölbt aus Natursteinen erbaut worden. Dort wo Felsen anstehen, konnte man diese auch als Felsenkeller bergmännisch auffahren, was oft auch außerhalb der Ortschaften der Fall war (z. B. Mainaschaff, Stockstadt, Hörstein, …). In der Ortslage von Dettingen haben wir nur die Sedimente des Mains, so dass man die Keller als Gewölbe erbaute. Solche Keller wurden oft an die schwankenden Bedürfnisse der Besitzer und Nutzer angepasst und umgebaut. Selbstverständlich dienten solche Keller auch zur Lagerung von Wein und anderen verderblichen Lebensmitteln.

So auch unter der heutigen Gaststätte „Zur Krone“, wo sich unter dem Gastraum ein gewölbter Lagerkeller befindet, der aus dem hier nicht anstehenden „Mainsandstein“ errichtet wurde (vermutlich mit dem Neubau nach dem Brand 1889). Dieser Keller ist auch geweißelt, weil man mit Kerzen in die Keller ging; auch zur Prüfung, ob ausreichend Atemluft vorhanden war.
Von ihm zweigt ein leicht tonnenfömiger, nach unten gehender, älterer Gang ab, der nach etwa 6 m in einen ehemaligen Eiskeller führt. Der Gang und der Eiskeller sind aus dem Goldbacher Gneis1 erbaut, dessen nächste Vorkommen weit entfernt vorhanden sind. Der Keller ist nicht verputzt oder weiß gestrichen, was für ein hohes Alter spricht2. Bei den schwarzen Belägen an den Wänden handelt es sich um einen Pilz („Kellertuch“ genannt) der Art Zasmidium cellare, der für gesunde Menschen kein Problem darstellt. Das Gewölbe wurde in mehreren Abschnitten erbaut wie man an den nicht verzahnten Steinen sehen kann, nach hinten in Scheiben. Der Boden ist aus sorgfältig zugerichteten, rechteckigen (vermutlich später verlegten) Sandstein-Platten hergestellt und fällt leicht gegen die zugemauerte Fortsetzung ab, so dass hier das Schmelzwasser des Eises ablaufen und versickern konnte3.

Nach dem 2. Weltkrieg verfüllte und zugemauerte Fortsetzung eines weiteren Ganges zu einem weiteren, heute nicht mehr zugänglichen Keller im Eiskeller; aufgenommen am 22.06.2026.

Der Gang in den Eiskeller ist mit einem Pflaster aus Sandstein-Geröllen befestigt, wie man sie auf den Feldern Karlsteins finden kann; so dürfte auch der Boden im Eiskeller nach seinem Bau ausgesehen haben. In der Firste der Eiskellers befindet sich das rechteckige Einwurfloch für das Eis, welches normalerweise von oben eingefüllt werden konnte.
Nach den mündlichen Schilderungen von Harald WEIS (Hörstein4), am 22.06.2026 befindet sich hinter der Mauerung ein weiterer Keller, der eine Verbindung zu den Kellern im Nachbargebäude hatte; diese beiden Keller wurden modern ausgebaut und gastronomisch genutzt. Die schachtförmige Verbindung in den tiefer gelegenen Keller von dort ist ebenfalls zugemauert, also von beiden Seiten unzugänglich. Während des 2. Weltkriegs waren alle Keller offen, so dass man nach beiden Seiten hätte flüchten können.

Bei den Kellern handelt es sich vermutlich um die ältesten privaten Bauwerke in Dettingen. Die Keller sind in einem guten Zustand und sollten erhalten werden. Sie bieten einen kühlen Lagerraum, der auch ohne Energiezufuhr funktioniert.

Der Geschichtsverein bedankt sich bei Petra SCHMIDT und Harald WEIS für die Möglichkeit, die Keller besuchen zu können.

  1. Die im Mauerwerk verwandten Steine sind frisch und wenig verwittert. Den Steinbruch am Plattenberg („Schutzhütte“) gab es nicht. In Hörstein stehen solche Gesteine nicht an, so dass nur eine Herkunft aus Kleinostheim (Steinbachtal), Mainaschaff (Wingert), Stockstadt oder Aschaffenburg möglich ist. ↩︎
  2. Der Mörtel besteht aus einem nicht gesiebten Sand mit wenig Kalk. Die Steine sind kaum mit den typisch schwarzen Pilzen (und Flechten?) überkrustet, was ebenfalls für einen Eiskeller spricht. ↩︎
  3. Nach den mündlichen Schilderungen von Harald WEIS stellte sich bei einem Mainhochwasser auch Wasser im Keller ein. Dies ist jedoch kein Mainwasser, sondern dabei wird der Abfluss des Grundwassers gehindert, so dass der Grundwasserspiegel langsam ansteigt und dann im Keller zu Tage tritt. ↩︎
  4. Er wuchs nicht weit entfernt wohnend auf und kennt die Verhältnisse in dem Gasthaus seit seiner Kindheit. ↩︎

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