Besuch im BachgauMuseum in Großostheim
Das Wetter war wieder besser als die Prognose. Aktive Mitglieder des Geschichtsvereins Karlstein besuchten am 03.06.2026 das BachgauMuseum im Kulturzentrum Nöthingsgut am Marktplatz in Großostheim. Hier wird auf bis zu 5 Ebenen der Bachgau mit dem Zentrum des wohlhabenden Marktes Großostheim präsentiert. Auf mehr als 1.000 m² sind sehr ansprechend gestaltete und vielfältige Themen zu bewundern. Erstmals konnten wir die wesentlichen Teile des Kirchenschatzes, der demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt wird, in den neu beschafften Tresorvitrinen bewundern. Aktuell wird auch eine neue Sonderausstellung über die 1950er eingerichtet. Das größte Museum dieser Art in der Region1 ist immer Sonntags von 14 – 17 Uhr geöffnet; Parkplätze befinden sich in der Umgebung.

Die aktiven Mitglieder des Geschichtsvereins (v. l.) vor der eichenen Weinpresse aus dem 16. Jahrhundert im Hof: Joachim LORENZ, Franz BILLER, Christel BILLER, Lotte OSTER, Herbert JUNG, Volker OSTER, Michael HANSMANN und Gerhard FALLER.
Der seit 50 Jahren(!) als Vorsitzender des Geschichtsvereins Bachgau Großostheim agierende Ewald LANG führte uns anekdoten- und kenntnisreich durch etwa 1/3 der Ausstellungen, wofür wir etwa 2 Stunden benötigten. Es wird die ganze Vergangenheit Großostheims gezeigt, von der Schnurrbartbinde und der passenden Tasse für Bartträger, Nähmaschinen der ehemaligen Kleiderindustrie und Heimschneiderei, ein Gewölbekeller mit Weinfässern bis zum tonnenschweren Kollergang zum Mahlen von Öl aus Raps und Mohn. Der hier abgebildete Mühlstein (einer von zweien) mit einem Gewicht von 2 t stammt – wie oben schwach lesbar – aus dem Jahr 1790 und trägt das Herstellerkürzel „CL“. Die glänzenden, dunklen Stellen an der Oberfläche des Sandsteins sind verharzte Reste des Öls vom Raps oder einem anderen Ölsamen.

Solche Mühlsteine wurden aus dem Sandstein des Buntsandsteins des Spessarts (wie auch des Odenwalds) hergestellt, die sehr hart und damit beständig sind. In ihnen sind die Sandkörnchen mit Quarz verzahnt, was man als verkieselt bezeichnet. Im Bruch glitzert dieser Sandstein in der Sonne und wurde wertsteigernd als „Kristallsandstein“ bezeichnet. Bei den Steinmetzen waren diese sehr harten Sandsteine nicht beliebt, weil die Bearbeitung mit den einfachen Werkzeugen aus Stahl sehr mühsam und verschleißreich war („Werkzeugfresser“). Der Antrieb des Kollergangs erfolgte einst mit Wasserkraft, später mit einem elektrischen Motor und Transmission.
Weitere Themen im Museum sind:
Krämerladen, Vorgeschichte, Bachgau, Maße und Gewichte, Handwerk (Seiler, Tucher, Schmied, Zimmermann, Sattler, Schuhmacher, Gesinde, Küfer), Bier brauen, Volksfrömmigkeit, Bürgerliches Wohnen, Militärische Erziehung, Spielzug, Glas und Keramik („Feierabendziegel“), Landwirtschaft, Küfer, Weinbau, Schnapsbrennerei, Leinen und Wäsche, Steinmetze (im Gewölbekeller), Museumspädagogik, Musikschule und Feuerwehr.
Es gibt einen bebilderten Leitfaden durch das Museum. Im Eingangsbereich werden die umfangreichen Schriften des Geschichtsvereins über Großostheim angeboten.
- Museen mit einem so breiten Spektrum und diesen Umfangs gibt es im Spessart nur noch mit dem Spessartmuseum in Lohr, dem Grafschaftsmuseum in Wertheim und dem Museum Stadt Miltenberg. Die Stadt Aschaffenburg betreibt zahlreiche Spezialmuseen. ↩︎

