Museum Spielberg

Museum Spielberg (Brachttal) im Vogelsberg

Im 350 m hoch gelegenen Ortsteil Spielberg der Gemeinde Brachttal bei Wächtersbach am Vogelsberg wurde in einer alten Schule das Brachttal-Museum Spielberg eingerichtet. Der schmucklose Sandstein-Bau an der Schulwaldstr. 10 erinnert an den preussischen Amtsstil des 19. Jahrhunderts.
Das Museum zeigt einen weiten Bogen der lokalen Geschichte – mit dem Schwerpunkt des Wächtersbacher Steinguts, welches von 1832 bis 2011 im nahen Schlierbach hergestellt wurde. Zweitweise wurden am Eisenhammer auch Möbel hergestellt, in die viele passende Keramik-Teile eingesetzt waren. So besitzt das Museum die funktionale Küche „Gerta“, zu der es neben den zeitgenössischen Gefäßen auch eine graphisch passende Wanduhr und andere Küchenutensilien gab.

Der Geschichtsverein Karlstein beim Besuch im Museum

Der Geschichtsverein Karlstein beim Besuch des Museums im Museums-Cafe; von links: Winfried Schmidt, Ulrich Berting (beide Museum Brachtal), Joachim Lorenz, Michael Hansmann, Volker Oster und Herbert Jung.

Das Wächtersbacher Steingut wird in mehreren Räumen gezeigt. Schön beleuchtete Vitrinen sind mit den Produkten unterschiedlicher Zeiträume und bekannter Künstler – wie Ursula Fesca und Christian Neureuther – bestückt. Beeindruckend ist auch ein Modell der Keramik-Fabrik (in der bis zu 800 Menschen Arbeit fanden) aus Keramik, welches um 1947 gebaut wurde. In Mappen sind Entwürfe, Fotos und Zeichnungen ausgelegt.

Glasierte Kaffeetasse („Henkelbecher“) aus Wächtersbacher Keramik.

Bemerkenswert sind archäologische Funde der Steinzeit aus Feuerstein, Tertiär-Quarzit und aus einer Grabung an der Spielberger Burg den späten 1980er Jahre auch ein kg-schwerer Opal. Eine Besonderheit unter den alten Spielsachen und Handwerkszeug, sind auch mehrere Waschmaschinen aus der Frühzeit solcher mechanischen Geräte, darunter eine hölzerne Bottichwaschmaschine der Fa. Miele mit der Fabrikationsnummer 28 und mit Jugendstildekor.
Im Dachgeschoss ist die einstige Eisenbahn (Vogelsberger Südbahn, 1898 – 1967) von Wächtersbach nach Birstein als H0-Modell nachgebaut. Dazu gibt es einige Steine1: fossiles Holz, Eisenerze, Rennofen-Schlacken, vulkanische Gesteine aus der Umgebung, Tonproben und ein Rennofenmodell. Grundlage ist der nahe gelegene Ort Neuenschmidten; hier bestand seit der Frühneuzeit ein Hammerwerk und später eine Eisengießerei.

Echter „Eisschrank“ (geöffnet), also ein Kühlschrank aus dem frühen 20. Jahrhundert, als man solche Schränke in der Küche hatte, in die oben Stangeneis eingefüllt wurde. Dies kühlte die Waren darunter in dem isolierten Schrank aus Holz, der innen mit (jetzt oxidierten) Zinkblech ausgekleidet war.

Nachtrag vom Juli 2026

Der außergewöhnlich schwere Stein wurde inzwischen (mühevoll) zersägt, um das Innere beurteilen zu können. Dabei wurde dem vorhandenen Einschnitt gefolgt (keilförmiger Bereich in der Fläche oben); die Sägefläche wurde geschliffen und poliert. Das noch 2,280 kg schwere Stück besteht aus einem sehr dichten Gedigen Arsen, durchsetzt von etwas Gediegen Silber und einigen offenen Poren, in denen sich ein wenig beständiges Mineral befand. Am linken Rand ist gebänderter, weißer Quarz als Gangart erhalten. Da das Arsen gegen den Sauerstoff der Ätmosphäre nicht stabil ist (es oxidiert zu weißem Arsenolith), wurde die Fläche beschichtet, um den metallischen Glanz zu erhalten. Der Stein liegt in der Wandvitrine K4 im Keller des Museums.

Nach dem Waschen des Stückes kam an der Oberfläche gediegen Silber in der Form kleiner „Bäumchen“ (dendritisches Wachstum winziger Kristalle) zu Vorschein. Hier wurde das gediegen Arsen oxidiert, dann gelöst und so wurde das Silber frei gelegt;
Bildbreite 3 mm.

  1. Darunter befand sich auch ein auffallend schwerer Stein von 2,84 kg Gewicht, der örtlich etwas Quarz aufwies und somit keine Schlacke sein konnte. Auch kein Meteorit und das hohe Gewicht, die graue Bruchflächen am Sägeschnitt und die weißgraue Oberfläche sprach für ein Sulfid. Oder ein Arsenid.
    Die anschließende mineralogische Untersuchung erbrachte Gediegen Arsen. Damit ist klar, dass dieses Ausstellungsstück nicht aus dem Vogelsberg, sonder aus einem der größeren Bergbaugebiete, wie Harz oder Schwarzwald, – oder von sonst wo, stammen muss. ↩︎

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