Erdbeben unter Karlstein?
Am vergangenen Sonntagnachmittag, den 12.04.2026 trafen sich 25 Wanderer nach Ausschreibung des Naturparks Spessarts und des Naturwissenschaftlichen Vereins Aschaffenburg zu einer anstrengenden und ungefähr 5 km langen Wanderung von Mainaschaff nach Kleinostheim. Sie erfuhren, dass wir in einer potentiell erbebengefährdeten Region leben. Der Geologe Joachim Lorenz aus Karlstein zeigte und erklärte neben den vulkanischen Gesteinen, dem kristallinen Grundgebirge mit Staurolith auch die morphologischen Merkwürdigkeiten zwischen Dettingen und Kleinostheim.

Die Gruppe der Teilnehmer der Führung „330 Millionen Jahre – Vulkan zum Phonolith“ am 12.04.2026 an der Spessartrandverwerfung (rechts), links der alte Mainlauf mit dem Lindig und im Hintergrund der Schluchthof; Foto von Doris Bleistein.
Geht man vom Wasserwerk Karksteins an der Grotte in Dettingen über Häuserackerhof und Schluchthof zum Wingert nach Kleinostheim, so fällt auf, dass hier die Waldgrenze einen auffälligen Steilabfall verdeckt. Hat man den Steilhang überwunden, erreicht man eine ganz leicht nach Osten ansteigende, nahzu ebene Fläche. Dies wird nur durch die zum ehemaligen Main hin eingeschnittenen Bäche unterbrochen, die hier teils V-förmig eingetieft sind. Nach Westen erstreckt sich zwischen dem Wald des Lindig und dem oben beschriebenen Hang ein einst von Kleinostheim nach Dettingen fließender Main, der verlandet ist, als Torflager für das Torfstechen genutzt wurde und heute nach einer Trockenlegung landwirtschaftlich genutzt wird. Der Main floss hier letzmalig beim Jahrtausendhochwasser im Juli 1342 („Magdalenenflut“). Dieser Steilhang hat also zwei Ursachen: einerseits die tektonisch bedingte Randverwerfung und die Erosionskraft des Mains, der diese Verwerfung frei gelegt hat.
Zeugnis dafür liefern die Gesteine an der Spessart-Randverwerfung. Geologisch kleine Schollen vom Unteren Buntsandstein (Heigenbrückener Sandstein in der Reibsandkaute) und den Meeresablagerungen des Zechstein-Meeres (verkieselte Zechstein-Dolomite) sind hier um mehr als 100 m gegenüber den Bedeckungen im Spessart abgesackt. Diese ungefähr 250 Millionen Jahre alten Gesteine wurden als Kalksteine abgelagert, später in Dolomite umgewandelt und diese wieder in einen Quarzit. Diese braunen Gesteine gehören zu den härtesten im Spessart; die kleinen Vorkommen können von Alzenau bis nach Kleinostheim verfolgt werden. Sie wurden in kleinen Steinbrüchen und kleinsten Schürfen (Kühruhe im Wald von Dettingen) abgebaut und zu (Straßen-)Schotter zerklopft. Teilweise sind diese Gesteine auch vom eiszeitlichen Löss überdeckt, der als verwitterter Lösslehm zur Herstellung von Fachwerkhäusern verwandt wurde.
Der Oberrheingraben zwischen Basel, Frankfurt und der Wetterau sackt gegenwärtig mit etwa 0,2 bis 0,5 mm pro Jahr durch (Erd-)Krustenverdünnung ab, so dass man mutmaßen kann, dass auch der sich anschließende östliche Zweig in Form der Hanau-Seligenstädter Senke ebenso weiter einbricht und damit wir auch. Vermutlich ist dieser Prozess nicht zum Stillstand gekommen, so dass man auch in Zukunft mit tektonischen Bewegungen rechnen muss, die wir als Erdbeben wahrnehmen.
Diese Gesteine vom Spessartrand in Dettingen einschließlich der vulkanischen Gesteine aus Mainschaff und Kleinostheim können Sie beispielsweise am Sonntag, den 03.05.2026 bequem im Museum in Karlstein anschauen.
Da Interesse bestand, werden wir die Veranstaltung vermutlich am Sonntag, den 11.04.2027 wiederholen.

